{"id":912,"date":"2013-05-25T18:44:49","date_gmt":"2013-05-25T16:44:49","guid":{"rendered":"https:\/\/guenterwalter.de\/de\/texte\/guenter-walter-und-die-gegenstandslose-welt-2\/"},"modified":"2023-06-11T19:28:48","modified_gmt":"2023-06-11T17:28:48","slug":"auszug-aus-der-eroeffnungsrede-anlaesslich-der-ausstellung-hubert-rieber-skulptur-guenter-walter-zeichnung-im-stadtmuseum-huefingen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guenterwalter.de\/de\/ariane-faller-budasz\/auszug-aus-der-eroeffnungsrede-anlaesslich-der-ausstellung-hubert-rieber-skulptur-guenter-walter-zeichnung-im-stadtmuseum-huefingen\/","title":{"rendered":"Hubert Rieber: Skulptur \/ G\u00fcnter Walter: Zeichnung"},"content":{"rendered":"","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":412,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37],"tags":[41],"class_list":["post-912","post","type-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-ariane-faller-budasz","tag-eroeffnungsrede"],"grid":"{\"colCount\":24,\"colGutter\":0.1,\"rowGutters\":[0],\"frameMargin\":5,\"leftFrameMargin\":0,\"rightFrameMargin\":0,\"topFrameMargin\":18,\"bottomFrameMargin\":\"3.6\",\"rowAttrs\":[[],[]],\"bgColor\":null,\"cont\":[{\"type\":\"text\",\"cont\":\"<h1 class=\\\"_Textschrift_Ueberschrift\\\">Auszug aus der Er\\u00f6ffnungsrede anl\\u00e4sslich der Ausstellung \\u201eHubert Rieber: Skulptur \\\/ G\\u00fcnter Walter: Zeichnung\\u201c im Stadtmuseum H\\u00fcfingen<\\\/h1><p class=\\\"_Textschrift_Einzug\\\">\\u00a0<\\\/p><p class=\\\"_Textschrift_Einzug\\\">\\u00a0<\\\/p><p class=\\\"_Textschrift\\\">G\\u00fcnter Walter ... ging bereits im Studium seinen eigenen Weg und entwickelte seine k\\u00fcnstlerische Eigenst\\u00e4ndigkeit durch eine gewisse \\u2013 gesunde \\u2013 Distanz zu seinem Professor und der daraus resultierenden, f\\u00fcr einen K\\u00fcnstler, wie bereits erw\\u00e4hnt, wesentlichen Emanzipation.<\\\/p><p class=\\\"_Textschrift_Einzug\\\">Die beherrschenden Materialien des in Freiburg lebenden K\\u00fcnstlers klingen zun\\u00e4chst so puristisch wie unspektakul\\u00e4r; es handelt sich um Papier, Blei- und Farbstifte. Ein Spektrum aus \\u00fcber 200 Farbstiften, um genau zu sein, die in Walters Atelier ordentlich nach Farbigkeit sortiert und auf Lichtechtheit \\u00fcberpr\\u00fcft in Gl\\u00e4sern aufgereiht bereit stehen und auf ihren Einsatz zu warten scheinen. Und, um diesbez\\u00fcglich ebenso genau zu sein, spielt dar\\u00fcber hinaus nicht einfach nur eine Handvoll beliebiger Bleistifte \\u2013 die ja eigentlich l\\u00e4ngst kein Blei mehr, sondern Graphit enthalten \\u2013 eine Rolle, sondern eine Bandbreite an unterschiedlichen H\\u00e4rtegraden, die dem K\\u00fcnstler von zarten, feinen und hellen 6H-Linien, bis zu 8B-weichen, dunklen, die Papierk\\u00f6rnung aufnehmenden Strichen scheinbar unz\\u00e4hlige M\\u00f6glichkeiten bieten.<\\\/p><p class=\\\"_Textschrift_Einzug\\\">Man muss bereits \\u00e4u\\u00dferst pr\\u00e4zise vorgehen, wenn man sich G\\u00fcnter Walters k\\u00fcnstlerischem Konzept ann\\u00e4hern will \\u2013 und bereits ganz zu Beginn seines komplexen Arbeitsprozesses ansetzen. Pr\\u00e4zision ist per se eines der zentralen Themen Walters; konzeptuell, handwerklich und analytisch \\u2013 ja, sogar mathematisch. Mathematik und Bildende Kunst, mag man sich nun fragen, kann diese Liaison wirklich gut gehen? G\\u00fcnter Walters Arbeiten \\u00fcberzeugen uns davon, dass beide Komponenten nicht nur eine stabile, gl\\u00fcckliche Verbindung eingehen, sondern auch deutliche gemeinsame Wurzeln haben: Den Aspekt der Forschung und eine grundlegende Absicht \\u2013 einen Plan. Selbstverst\\u00e4ndlich liegt es mir fern zu behaupten, dass ein sch\\u00f6pferisches Werk nur dann als Kunst bezeichnet werden kann, wenn es auf einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Materie beruht, G\\u00fcnter Walters Arbeit existiert jedoch im deutlichen Bewusstsein der Konkreten Kunst, deren Grundlage analytischer, intellektueller Natur ist. Man kommt zu recht nicht umhin, an dieser Stelle den Begr\\u00fcnder der Konkreten Kunst, Theo van Doesburg zu zitieren, der in seinem Manifest \\u201eDie Grundlage der konkreten Malerei\\u201c aus dem Jahre 1930 schreibt: \\u201eMit unserer Konstruktion der geistigen Form hebt die Epoche der reinen Malerei an. Sie ist die Konkretisierung des sch\\u00f6pferischen Geistes. Konkrete Malerei, nicht abstrakte, weil nichts konkreter, nichts wirklicher ist als eine Linie, eine Farbe, eine Fl\\u00e4che. (...)\\u201c und ferner \\u201eIn der Malerei ist nichts wahr au\\u00dfer der Farbe. Die Farbe ist eine konstante Energie, sie bestimmt sich durch den Gegensatz zu einer anderen Farbe. Die Farbe ist die Grundsubstanz der Malerei; sie bedeutet nichts als sich selbst. Die Malerei ist ein Mittel, um Gedanken visuell zu verwirklichen: Jedes Bild ist ein Farbgedanke. (...)\\u201c<\\\/p><p class=\\\"_Textschrift_Einzug\\\">G\\u00fcnter Walter zeigt in seiner Arbeit auf, wie aktuell diese Ans\\u00e4tze gegenw\\u00e4rtig noch immer sind. \\u201eOrganisation\\u201c ist hier ein weiteres Schlagwort, auf Walters Arbeitsprozess ebenso bezugnehmend, wie werkimmanent: Der K\\u00fcnstler hat einen Plan. Ein klares, strukturiertes Konzept f\\u00fcr jede einzelne seiner Zeichnungen erarbeitet G\\u00fcnter Walter, lange bevor ein Farb- oder Bleistift das ausgew\\u00e4hlte, zur jeweiligen Absicht passende Papierformat ber\\u00fchrt. Seine Skizzen n\\u00e4hern sich auf den ersten Blick eher mathematischen Gleichungen und geometrischen Reihen an, als der allgemeinen Vorstellung von Studien eines Zeichners. Und dennoch k\\u00f6nnten sie nicht n\\u00e4her an deren Wesen sein: G\\u00fcnter Walter erforscht die Linie als Grundprinzip, als urspr\\u00fcngliches Mittel der Zeichnung und grundlegendes Element der Malerei. Er berechnet und nummeriert Winkel, bildet Zahlenreihen und greift seit einigen Jahren bei Aufteilung und Proportionierung der Bildfl\\u00e4chen, der Festlegung der Farbfolgen und Linienrhythmen des jeweiligen Blattes zu einem au\\u00dferordentlich effektiven Mittel des gelenkten Zufalls: dem W\\u00fcrfel. \\u201eIch setze mir gewisse Regeln, an die ich mich halte\\u201c, sagt G\\u00fcnter Walter, doch ist ihm die Komposition, das Funktionieren des Gesamtkonstrukts stets wichtiger als das Theorem.<\\\/p><p class=\\\"_Textschrift_Einzug\\\">Mag unser Auge vielleicht zun\\u00e4chst einem einzelnen Strich eines Stiftes folgen, ger\\u00e4t es schnell in den Sog der in unserer Wahrnehmung entstehenden Farbadditionen und -mischungen, der Linien, die sich nur in dieser ber\\u00fchren und wird nicht zuletzt durch die von G\\u00fcnter Walter in ihrer ganzen Bandbreite genutzten Helldunkel-, Komplement\\u00e4r- und Simultankontraste, um nur einige zu nennen, im Bild gehalten. Die noch immer verbreitete Bezeichnung von Schwarz und Wei\\u00df, und somit nat\\u00fcrlich auch Grau, als \\u201eNichtfarben\\u201c, die in der Bildenden Kunst schon immer h\\u00f6chst fraglich war, erscheint vor einer solchen Arbeit geradezu l\\u00e4cherlich.<\\\/p><p class=\\\"_Textschrift_Einzug\\\">Auch den Stellenwert einer gewissen subjektiven Komponente, die Untersuchung des Handgemachten in Bezug zum maschinell Erstellten thematisiert G\\u00fcnter Walter. Der innerhalb der konkreten Kunst geforderten technischen Perfektion, dem Unterordnen des Pers\\u00f6nlichen und dem Ablehnen von Ungenauigkeit und Unvollst\\u00e4ndigkeit \\u2013 \\u201eWenn man eine gerade Linie nicht mit der Hand zeichnen kann, nimmt man dazu ein Lineal. (...)\\u201c [van Doesburg] \\u2013 setzt der K\\u00fcnstler subtile Linienmodulationen und Helldunkelnuancierungen entgegen, die sp\\u00fcrbar werden lassen, dass nichts die Hand des Zeichners, die den Stift, ebenso wie das Lineal f\\u00fchrt, zu ersetzen vermag.<\\\/p><p class=\\\"_Textschrift_Einzug\\\">\\u00a0<\\\/p><h2 class=\\\"_Autor\\\">Ariane Faller Budasz<\\\/h2>\",\"align\":\"top\",\"row\":0,\"col\":0,\"colspan\":24,\"offsetx\":0,\"offsety\":0,\"spaceabove\":0,\"spacebelow\":0,\"yvel\":1,\"push\":0,\"relid\":4,\"frameOverflow\":\"both\"},{\"type\":\"text\",\"cont\":\"<p class=\\\"_Icons\\\"><a href=\\\"https:\\\/\\\/guenterwalter.de\\\/de\\\/texte\\\/\\\">\\u00d7<\\\/a><\\\/p>\",\"align\":\"middle\",\"row\":1,\"col\":0,\"colspan\":1,\"offsetx\":0,\"offsety\":0,\"spaceabove\":0,\"spacebelow\":0,\"yvel\":1,\"push\":0,\"relid\":5,\"classes\":\"close\"}]}","phonegrid":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/guenterwalter.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/912","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/guenterwalter.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/guenterwalter.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guenterwalter.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guenterwalter.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=912"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/guenterwalter.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/912\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guenterwalter.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/412"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/guenterwalter.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=912"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/guenterwalter.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=912"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/guenterwalter.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=912"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}